Lückenlose Qualitätssicherung: Warum ein „Audit Trail“ unverzichtbar ist
Bei der Zertifizierung neuer HV-Komponenten oder während eines Audits durch Benannten Stellen (TÜV/UL) ist die lückenlose Dokumentation aller Sicherheitsereignisse entscheidend.
- Das Kernproblem: Manuelle Protokollierung ist fehleranfällig. Wer weiß nach drei Monaten noch genau, warum ein Not-Halt an einem Dienstag ausgelöst wurde?
- Die Lösung: Ein digitaler Audit Trail. Durch eine professionelle Industriesteuerung (z. B. Siemens S7) werden alle Zustandsänderungen – Türöffnungen, Not-Halt, Fehlermeldungen – mit präzisen Zeitstempeln geloggt.
- Nutzen: Sie erzeugen Transparenz bei jedem Audit und verkürzen die Ursachenanalyse (Root Cause Analysis) nach einem Zwischenfall massiv.
ISO 26262 und Fault Injection: Sicherheit verifizieren
Die funktionale Sicherheit (ISO 26262) fordert den Nachweis, dass ein System auch bei Fehlern sicher reagiert. Das erfordert Fault Injection Testing.
- Die Herausforderung: Sie müssen gezielt Kurzschlüsse oder Überspannungen einspeisen, um das Verhalten des Prüflings zu validieren. Dabei entstehen unvorhersehbare physische Reaktionen (Lichtbögen, Berstgefahr).
- Prozess-Fokus: Die Testumgebung muss diese Belastungen nicht nur aushalten, sondern die Testbedingungen exakt reproduzierbar machen. Nur so lassen sich ASIL-Einstufungen verifizieren.
IATF 16949: Prozessstabilität in der End-of-Line (EoL) Prüfung
In der Serienproduktion ist Stillstand gleichbedeutend mit Kosten. Hier zählt die Prozessstabilität.
- Standardisierung: EoL-Prüfplätze müssen identisch funktionieren, egal ob sie im Werk in München oder in Übersee stehen.
- Wartbarkeit: Durch den Einsatz standardisierter Komponenten (SPS, Schnittstellen) stellen Sie sicher, dass Ihre Prüfstationen fernwartbar sind und bei Ausfällen innerhalb kürzester Zeit instand gesetzt werden können.
Anforderungen an normative Prüfverfahren
Die Leistungselektronik erfordert eine Vielzahl von Tests, die strengen Vorgaben unterliegen:
- Isolationskoordination (DIN EN 60664-1): Prüfung der Luft- und Kriechstrecken.
- HV-Stress-Tests (Hipot): Nachweis der Spannungsfestigkeit.
- FMEA-Tests: Validierung der Schutzmechanismen durch gezielte Fehlersimulation.
- UN 38.3 (Batteriesicherheit): Einsatz der Prüfumgebung als Schutzbarriere für Modul-Tests.
